
Geschichten unserer Bewohnerinnen
Zum Weltfrauentag am 8. März rücken wir Frauen in den Mittelpunkt, die bei uns zuhause sind. Frauen, die viel erlebt, viel getragen und viel gegeben haben „Starke Frauen im Porträt“ zeigt die Geschichten unserer Bewohnerinnen. Weil ihre Geschichten es wert sind, erzählt zu werden.















Christine Kitzwegerer ist eine Frau, die ihr Leben selbst gestrickt hat. Masche für Masche, mit Mut und Gefühl.
Geboren in Wien, aufgewachsen in der Nachkriegszeit, lernte Christine schon früh: Das Leben ist fragil und genau deshalb kostbar.
Kunst war schon immer ihre Leidenschaft: Malerei, Mode, Bühnenkostüm. Ein Studium an der Angewandten, dann ein eigenes Atelier und sogar ein eigenes Modelabel. 1980 erschien ihre erste Strickkollektion – keine Mode von der Stange, sondern tragbare Kunst – farbstark und individuell.
Ihre Entwürfe gingen über Laufstege, in Galerien, ins MAK und blieben doch immer persönlich. Bis heute trägt sie einige ihrer Stücke selbst.
Das Leben hielt auch schwere Prüfungen für sie bereit. Der plötzliche Verlust ihrer Tochter mit nur 23 Jahren hinterließ eine Lücke, die nichts füllen kann. Christine entschied sich trotzdem weiterzugehen und das Beste aus allem zu machen. Sie begann Kraft aus Spiritualität zu schöpfen, lernte neu zu vertrauen und übte sich in Dankbarkeit für die kleinen Dinge.
Heute dürfen wir sie als Bewohnerin begleiten und von ihr lernen. Mut. Stärke. Resilienz.
Christine, eine Frau, die ihr Leben mit Farbe und Kreativität gefüllt hat und deren Geschichte es wert ist, erzählt zu werden.











Margarete Göschelbauer ist eine Frau, die das Leben liebt.
Aufgewachsen auf einem großen Hof, wäre sie gerne Gärtnerin geworden. Doch als die Landwirtschaft in Flammen stand, war sie an der Seite ihres Vaters und half, alles wiederaufzubauen.
Mit 18 Jahren machte sie den Führerschein – als einzige Frau unter 12 Männern! „Wenn die Gretl nicht durchkommt, dann schafftʼs keiner“, sagten sie. Ihre Devise? „Wenn man nichts probiert, weiß man es nicht.“ So auch am Schlossfest in Neulengbach, als sie einen feschen jungen Mann traf. „Den bekommst du nicht“, sagte eine Freundin. Margarete blieb unbeeindruckt – beim nächsten Fest kam er dann doch zu ihr. Er wurde ihr Ehemann und Vater ihrer drei Kinder.
Ein schwerer Verlust prägte ihren Lebensweg: der Tod der jüngeren Tochter. Margarete fand Trost im Glauben und in der Natur bei ihrem Lieblingsbaum, einer Buche. „Ich muss wie der Baum immer wieder austreiben und weitermachen“, sagte sie sich. Und genau das tat sie.
Heute lebt Margarete bei uns im Pflegehaus und ist stets für alle da. Ihre Mit-Bewohner*innen lieben sie für ihre Wärme und ihren Humor. „Freude macht mir, mit Menschen zusammen zu sein“, sagt sie. In ihren Worten spürt man Lebensfreude, Kraft und Herzlichkeit.
Margarete, die nie aufhört, das Leben zu umarmen und deren Geschichte es wert ist, erzählt zu werden.













Anna Buraner ist eine Frau, die nicht stehen bleibt.
Als Kind lief sie barfuß durch die Wälder von Amstetten. „Ich bin immer g’rennt. Ich war eine von den Schnellsten“, erzählt sie. Und eigentlich ist sie das bis heute geblieben.
Der Krieg hat ihre Jugend unveränderlich geprägt. 1945 floh Anna im Pferdewagen, weite Strecken ging sie zu Fuß. Auf dem Rückweg schnappten sie russische Soldaten – sie riss sich los und rannte, hinter ihr fielen Schüsse.
Nach dem Krieg führte ihr Weg hinaus in die Welt: zwei Jahre England, drei Jahre Schweiz. Sie arbeitete als Haushälterin, betreute Kinder, lernte neue Sprachen und Freunde kennen. „Es war so abwechslungsreich. Unglaublich eigentlich, wo ich überall war.“
Anna war zweimal verheiratet. Aber am meisten verbunden fühlte sie sich ihrer jüngeren Schwester Dorothea. „Sie war mein Lebensmensch.“ Ihr erster Mann hat Anna oft gebremst, offiziell arbeiten durfte sie nicht. Nach 18,5 Jahren ging sie – ein mutiger Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft. Ihr Rat an junge Frauen: „Geh nach deinem Herzen. Und schau, dass du auf eigenen Beinen stehst.“
Heute lebt Anna im Seniorenwohnen St. Louise und stillstehen kommt für sie auch mit 101 Jahren nicht infrage. Täglich spaziert sie große Runden durch den Garten oder steigt ihre 120 Stufen im Haus. „Man muss sich bewegen, sonst rostet man ein“, sagt sie – und lächelt.
Anna, eine Frau, die ihr Leben lang weitergegangen ist und deren Geschichte es wert ist erzählt zu werden.















Theresia Jaeger ist eine Frau, die ihr Leben lang angepackt hat.
In Laxenburg aufgewachsen, holte sie Wasser in Kübeln, baute Gemüse an und klaubte „Äherl“ vom Feld. Ihre Klassenkameraden waren wie Geschwister. Gemeinsam lernten sie Tanzen, begleitet vom Rauschen eines alten Grammophons – eine vom Krieg geprägte Jugend schweißte sie zusammen.
Ihrem zukünftigen Mann verriet sie beim ersten Kennenlernen nur ihren zweiten Vornamen. So blieb sie auch später die „Gretl“. Gemeinsam mit Josef entdeckte sie die Welt: Australien, Asien, Frankreich, die Dominikanische Republik. Und sie hielt all das fest: Theresia fotografierte und filmte leidenschaftlich. Zahlreiche VHS-Kassetten und Dia-Aufnahmen in ihrem Zimmer sind Zeugen eines bewegten Lebens.
Ihre berufliche Leidenschaft galt dem Schneidern – eine Erbschaft des Großvaters ermöglichte die Ausbildung. Auch privat schneiderte sie mit viel Freude für sich und andere. Nach der Geburt ihres ersten Sohnes blieb sie zuhause, doch später wurde Theresia „ein bisserl langweilig“. Also machte sie eine zweite Ausbildung und arbeitete bis zur Pensionierung in einem physikalischen Institut.
Stillgesessen ist sie nie. Mit ihrem Sohn kümmerte sie sich um die Trabrennpferde und mistete selbst die Ställe aus. „Ich war immer eine Praktikerin. Mein Mann konnte nicht einmal einen Nagel einschlagen“, sagt sie schmunzelnd.
Heute glänzen ihre Augen, wenn sie von ihren Enkerln und Urenkerln erzählt. „Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit meinem Leben. Das Einzige, was mich traurig macht, ist, dass es so schnell vorbei war.“
Theresia, eine Frau der Tat, die offen auf die Welt zugeht und deren Geschichte es wert ist, erzählt zu werden.









Herta Stifter, eine Frau, die sich entschieden hat, glücklich zu sein.
Aufgewachsen auf einem Bauernhof bei Oberndorf an der Melk, erlebt sie eine Kindheit voller Natur, Freiheit und Geborgenheit. Der Vater war in Stalingrad vermisst, das Geld knapp – und doch spürte sie immer dieses Grundvertrauen. „Ich bin sehr gläubig. Das war ich schon als Kind.“
Herta ist sehr gefühlvoll. Sie lacht, macht Stimmung – und wenn sie grantig ist, malt sie ein Mandala. Gemeinschaft liebt sie, ihre Mit-Bewohner*innen hat sie sehr ins Herz geschlossen. „Ich mag sie so gerne, mit all ihren Eigenarten.“ Trotzdem braucht sie das Alleinsein, um Kraft zu schöpfen.
Sie machte Matura in Wien, ihr Herz schlug für die Musik. So lernte sie auch ihren Mann kennen. 16 Jahre blieb sie bei den Kindern zuhause. Später arbeitete sie bei einem Arzt, blühte auf – und ließ sich nach fast 25 Jahren Ehe scheiden. „Wenn ich mich scheiden lasse, dann hat das einen Grund. Es war befreiend.“
Herta fand eine neue Berufung, arbeitete im Mutter-Kind-Haus, lernte dort Freundinnen fürs Leben kennen und adoptierte eine weitere Tochter. Heute sagt sie: „Was ich nicht ändern kann, lege ich in Gottes Hand. Was ich ändern kann, ändere ich.“
In der Pension zog sie zurück aufs Land, in ein kleines Haus. Aus dem Nichts kam ein Schlaganfall. Herta kämpfte sich zurück ins Leben. Sie lernte wieder frei zu gehen. Studiert jetzt Theologie. Füttert Amseln und Spatzen. Sie kennt jeden einzelnen Vogel vor ihrem Fenster und freut sich, wenn sie singen.
„Die Liebe ist das Wichtigste. Das Einzige, was wirklich zählt.“ Herta, eine Frau, die mit ihrer Lebensfreude und Liebe andere inspiriert und deren Geschichte es wert ist, erzählt zu werden.
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